Kontemplativ-kooperative Kommunikation in Konflikten

Ob ein Gespräch gelingt, hängt von unzähligen Faktoren ab. Es gibt viele Einflüsse, die wir nicht bestimmen können – dennoch ist es erstaunlich, wie weit unsere ganzheitlich bewusste (= kontemplative) Haltung einen Gesprächsverlauf positiv steuern kann.

Im Üben einer kontemplativen Lebenshaltung gewinnen wir immer mehr „Raum“ für uns selbst und unser Gegenüber. Das gibt uns in hektischen Dialogen eine erweiterte Sicht, über das, was gerade jetzt zwischen „mir und dir geschieht“. Unsere „kontemplativ-vertiefte Mitte“ verhilft uns zu mehr Wachheit und Klarheit und wir können dadurch bewusst wahrnehmen und formulieren, was wir gerade jetzt vom anderen möchten. Gleichzeitig gelingt es uns besser, „in die Schuhe des Gegenübers zu schlüpfen“, um  nachzuvollziehen, was sie/ihn im Augenblick umtreibt.

Voraussetzung einer kontemplativ-kooperativen Kommunikation ist dementsprechend, die je unterschiedlichen Bedürfnisse und Wünsche wahrzunehmen und gelten zu lassen, um anschliessend Möglichkeiten auszuhandeln, die für beide beteiligten Personen annehmbar sind.

Die Grundlagen dieser Gesprächshaltung stammen von der Personen-zentrierten Psychotherapie nach Carl Rogers.  Marshall Rosenberg hat später daraus die gut vermittelbare Gewaltfreie Kommunikation (GFK 4-Schritte-Modell) entwickelt.

In all den Jahren meiner Ausbildungstätigkeit beim Notfall-Telefon 143 der Dargebotenen Hand ist mir die Betonung der darunter liegenden kontemplativen Haltung sehr wichtig geworden. Aus dem (mentalen) Wissen um Selbst- und Fremdempathie muss allmählich eine leibliche Verankerung wachsen, damit wir durch unsere emotionale Bewegtheit in herausfordernden Gesprächen nicht „fortgetragen werden“ und uns selbst oder unser Gegenüber überfordernd.

Es gibt zahlreiche weitere  Kommunikations- und Reflexions-Methoden, die diese grundlegende Gesprächshaltung bereichern können. Zum Beispiel Ressourcen- und Lösungs-orientierte Ansätze, „Focusing“, Bewusstseinsübungen, „Voice-Dialog“/“Inneres Team“, „Paar-Kontemplation“, die ich gerne – je nach Situation – einbringe und erkläre.