Polarisierung als Wegweiser zu tieferer Verbundenheit
Wenn im persönlichen oder gesellschaftlichen Alltag unversöhnliche Standpunkte aufeinanderprallen, erzeugt das starke Reibung/Spannung. Unser Impuls: Recht haben wollen, Rückzug, Ablenkung, unbefriedigende Kompromisse, etc.
Erkennen wir, dass solche unangenehme Reibungen keine Hindernisse sein müssen, sondern als vitaler Treibstoff für tiefere Begegnungen genutzt werden können, bekommen verhärteter Polarisierungen plötzlich eine neue Bedeutung und Kraft. Dieser Zusammenhang wurde mir deutlich, als ich vom Gesetz der Drei las (Cynthia Bourgeault & G.I.Gurdjieff) und mit diesen drei Kräften in meinem konkreten persönlichen Alltag experimentierte.
Um diesen schöpferischen Konfliktlösungsansatz zu verbreiten, habe ich dieses Praxis-Tool mit Namen Lo3-Lab in Anlehnung an „Law of Three“ kreiert. Es ist neuro-biologisch und systemisch fundiert. Es begleitet dich dort, wo gute Argumente nicht mehr greifen und schlägt die Brücke, wenn es im Alltag „hart auf hart“ geht. Es ist ein 3-Schritte-Prozess:
- Gemeinsam innehalten: Wir stoppen das Diskutieren durch ein bewusstes Vakuum – eine kurze Pause des Schweigens.
- Im Körper verankern: Wir halten die spürbare Spannung der Polaritäten im eigenen Körper aus, anstatt sie durch Worte weg zu reden.
- Dem Feld vertrauen: Wir sinken durch die Meinungen hindurch auf den Boden unserer gemeinsamen Menschlichkeit. Das Ego gibt die Kontrolle ab.
Aus dieser verkörperten Präsenz entsteht keine spektakuläre „Wow-Lösung“, sondern ein leibhaftiges Wir. Die Fronten lösen sich leise auf und es entsteht ein Beziehungs-Raum.
Ein Praxisbeispiel
Um zu verstehen, wie das Lo3-Lab wirkt, hilft ein Blick in einen klassischen, hochgeladenen Konflikt – zum Beispiel zwischen einer engagierten Klimaschützerin und einem Industriellen.
In der klassischen Diskussion prallen hier zwei unvereinbare Pole aufeinander:
- Impuls 1. Kraft: Die Forderung nach sofortigem, radikalem Wandel. (voll berechtigt)
- Widerstand 2. Kraft: Das Beharren auf wirtschaftlicher Stabilität und Machbarkeit. (voll berechtigt)
Normalerweise führt dies zu einer beidseitigen emotionalen Enge. Das limbische System (= Neuro-Biologie) übernimmt: Kampf, Flucht oder Erstarrung setzen ein, das heisst konkret: die Beteiligten verharren in ihren Argumenten, die Fronten verhärten sich, Energie wird nutzlos verschlissen. Der Lo3-Lab-Prozess stoppt dieses Muster mit der
- versöhnenden 3. Kraft: ein Raum des „Nicht-Wissens“ und „Innehaltens“ wird erzeugt und die körperliche Spannung bewusst ausgehalten, d.h. die Beteiligten werden angeleitet, die Aufmerksamkeit komplett von den rationalen Argumenten abzuziehen und den Fokus auf die körperliche Wahrnehmung zu richten.
Nach ca. 90 Sekunden löst sich die Spannung zB. „Wut im Bauch“ allmählich auf. Beide Parteien spüren plötzlich die gemeinsame tiefe Sorge um die Zukunft der nächsten Generation. Das Ergebnis im Raum: Ein tiefes, kollektives Aufatmen und spürbare Verbundenheit und Offenheit. Jetzt erst kann ein konstruktiver Dialog beginnen und neue Ideen auftauchen.
Die drei Dimensionen der Anwendung
- 1. Intrapersonell (Innere Konflikte): Wenn z.B. Verstand und Gefühl in dir gegeneinander kämpfen.
- 2. Asymmetrisch (Beziehungskonflikte): Die kraftvolle Möglichkeit, eine Beziehungsdynamik positiv zu verändern, indem nur eine Person ihre innere Haltung transformiert.
- 3. Dialektisch (Gruppen, Teams, Paare): Um festgefahrene Debatten in echten, schöpferischen Dialog zu führen. (Hier braucht es ModeratorInnen mit spezifischen Voraussetzungen.)
Das Lo3-Lab ist kein Allheilmittel, es braucht eine hohe Motivation, Selbstreflexion und Eigenverantwortung und muss in den Kontext passen, zu Indikation, theoretischem Fundament, etc, siehe Seiten:
- Lo3-Lab Theorie & Praxis,
- Lo3-Lab Exkurs: Physik & Ökonomie der Leere
- Lo3-Lab Exkurs: Kenosis = die 3. Kraft
Ich freue mich auf den Austausch und die Vernetzung mit dir!
MADELEINE VONLANTHEN / August 2026
- Eidg. Psychotherapeutin & Supervisorin & Ausbilderin i.R.
Mail: mvo@ik.me