In der Arbeit mit dem Lo3-Lab stossen wir unweigerlich auf einen Punkt, an dem die reine Methode und die neuro-biologische Regulation des Nervensystems an ihre Grenzen kommen. Es ist der Moment, in dem die Reibung zwischen dem Vorwärtsdrang (1. Kraft / Affirming) und dem Widerstand oder der Blockade (2. Kraft / Denying) am stärksten spürbar wird.
Hier entscheidet sich, ob wir in alte Kompensationsmuster zurückfallen – oder ob wir das Tor zu einer völlig neuen Dimension aufstossen. Dieses Tor ist die Kenosis.
Das Missverständnis der Vermittlung
In unserer westlichen, dual geprägten Denkweise missverstehen wir die 3. Kraft (Holy Reconciling) oft als eine aktive, intervenierende Handlung. Wir glauben, wir müssten als „Schiedsrichter“ auftreten, kompromissbereit vermitteln oder das Problem durch kluge, lösungsorientierte Aktivität „wegmachen“.
Doch wahre Transformation geschieht nicht auf derselben Ebene, auf der das Problem entstanden ist. Die 3. Kraft ist kein Machen. Die 3. Kraft ist ein Lassen.
Was ist Kenosis?
Der Begriff Kenosis stammt aus der christlichen Mystik und bezeichnet die radikale Selbstentleerung. Es ist der bewusste Verzicht auf Macht, Kontrolle und das egozentrische Beharren auf eigenen Konzepten. Als ich mich mit Cynthia Bourgeault genau über diese Dynamik austauschte, bestätigte sie zutiefst, was diese Entdeckung für das Law of Three bedeutet: Kenosis ist die pure Verkörperung der 3. Kraft.
Wenn wir Kenosis im Alltag und im Konflikt leben, passiert Folgendes:
- Wir lassen die 1. Kraft sterben: Unseren Drang, Recht zu haben, das Ego, das die Lösung erzwingen will.
- Wir lassen die 2. Kraft sterben: Unseren Impuls, den Widerstand zu bekämpfen oder wegzuhaben.
- Wir werden vollkommen leer: Wir sinken tief in den Bauch und damit aus dem mentalen Ich-Verhaftet-sein in die Weite, regulieren unser Nervensystem und halten die nackte Existenz der Reibung aus – im Zustand des absoluten Nicht-Wissens.
Urgrund – Einheit – Leben
Tiefe fliessende Weite, DU bist mein Gebet, berührst mich zärtlich intensiv.
Das Tor der Sehnsucht hat mich einmal mehr in DIR geöffnet, DU stille erfüllende Unmittelbarkeit.
Immer wieder heimkommen in DIR – heil sein in DIR, geborgen, geliebt und deshalb so frei.
Ich weiss und fühle so genau: nichts weiter ist jetzt notwendig – als ANWESEND zu sein.
All meine Muskeln, Organe und Zellen, alles, was ich jetzt anspanne und denke, um es besser zu machen …. kann ich wieder loslassen.
Einfach nur DA – im zärtlichen Mit-Sein, unbeschwert und fliessend vor Leben… wie befreiend und klar!
Und jetzt kreiert sich aus dieser Offenheit wage ein Impuls – und ich überlege: Was ist jetzt meine Aufgabe? Was soll diese Energie erschaffen, damit ich sie nicht erschöpfe durch unheilsame Automatismen im Alltag?
und sinke vertrauensvoll zurück
Aha! nur wieder diese alten Sorgen!
DU führst mich zweifellos –
auch jetzt –
von Schritt zu Schritt.
Madeleine Vonlanthen