„Lo3-Lab“ Praxis-Tool bei verhärteter Polarisierung

Ein neuro-psychologischer Ansatz – kombiniert mit dem «Gesetz der Drei/Law of Tree» nach Cynthia Bourgeault.  

Ein neues Prozess-Tool, das ich «Lo3-Lab» nenne,  experimentierbar für 3 Anwendungs-Ebenen

1. Der Ausgangspunkt: Eine wertvolle Basis erweitern, die IDGs Skills = Inner Development Goals, Dimension 2 Denken, Skill 2.3 Perspektiven-Kompetenz. Eine internationale Initiative zur Unterstützung der Durchsetzung der UN-Nachhaltigkeits-Ziele (SDGs)

Die Initiativen rund um die Inner Development Goals (IDGs) leisten weltweit und in der Schweiz wertvolle Pionierarbeit, indem sie den untrennbaren Zusammenhang zwischen innerer Reife und äusserer Zukunftsgestaltung sichtbar machen. Besonders in der Dimension „Denken“ und dem Skill 2.3 (Perspektiven-Kompetenz) liegt ein entscheidender Schlüssel: die Fähigkeit, Informationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu koordinieren und gegensätzliche Sichtweisen einzubeziehen.

In der täglichen Praxis komplexer gesellschaftlicher, organisatorischer oder auch ganz persönlicher Debatten erleben wir jedoch oft, wie herausfordernd diese kognitive Höchstleistung ist. Wenn gegensätzliche Realitäten aufeinanderprallen, neigen wir natürlicherweise dazu, zu rasch nach logischen Konsenslösungen zu suchen, oder wir verfangen uns im Widerstand. Wir wollen es zwar rational nicht, realisieren jedoch, dass die körperliche Stressreaktion schneller ist als unser Verstand.

Mein Anliegen ist es, den wertvollen Ansatz «Denken mit Perspektiven-Kompetenz 2.3» spürbar stabiler und verkörperter zu machen. Dies gelingt durch das Bewusstmachen der bio-energetischen Dynamik des Zentralen Nervensystems (ZNS) in Kombination mit der Dynamik der 4. Kraft (basierend auf dem «Gesetz der Drei» – Law of Tree – nach Cynthia Bourgeault / G. I. Gurdjieff).

2. Einordnung des neuen Prozess-Tools in die globale Beratungs- und Prozesslandschaft

Mein Ansatz hat Parallelen zu folgenden zwei Ansätzen – mit dieser Differenz:

         • «Der U-Prozess» (Otto Scharmer / Presencing Institute): Nutzt das somatische Innehalten (Presencing), um blockierte Systemstrukturen im Kollektiv sichtbar zu machen und das „Auftauchen der Zukunft“ einzuladen.

         • Kollektive Trauma-Integration (Thomas Hübl / «Pocket Project»): Nutzt die präzise Co-Regulation des Zentralen Nervensystems, um eingefrorene gesellschaftliche Spannungen und kollektive Verletzungen im synchronen Feld zu verdauen.

         • Mein Praxis-Tool «Lo3-Lab» verfolgt die Absicht, aus verhärteten Polarisierungen in die 4. Kraft zu emergieren. Durch das Integrieren des „Gesetz der Drei“ entfaltet sich eine klare, phänomenologische Struktur. Es beschreibt das präzise, methodische Halten der Kräfte 1 (Impuls) und 2 (Widerstand) durch die bewusst regulierte Kraft 3 (versöhnendes Element), die den evolutionären Sprung (Emergenz) in die 4. Kraft ermöglicht. Das Besondere liegt in der strukturellen Einfachheit, die den Prozess der Emergenz sowohl bei innerpersönlichen als auch bei äusseren verhärteten Konflikten direkt erfahrbar macht.

3. Das kosmologische Fundament: Teilhard de Chardin, Ilia Delio und das Hyper-Persönliche

Um die evolutionäre Notwendigkeit dieser Dynamik ganz zu verstehen, hilft ein Blick auf die Kosmologie von Pierre Teilhard de Chardin, dessen Erbe auch Cynthia Bourgeault zutiefst prägt. Teilhard zeigt auf, dass das Universum sich evolutionär von der rein materiellen Geosphäre über die Biosphäre hin zu einer weltumspannenden Geist- und Denksphäre (Noosphäre) entwickelt. Die heutige globale Vernetzung und die damit einhergehenden Polarisierungen sind die Reibungsenergie dieser Noosphäre.

Viele moderne spirituelle Strömungen neigen dazu, in Krisen und Konflikten eine unpersönliche „Ego-Auflösung“ zu postulieren, bei der alle Unterschiede in einer formlosen Einheit verschwinden sollen. Teilhards kosmisches Grundgesetz besagt jedoch das Gegenteil: „Verbindung unterscheidet“ (Union differentiates). Wenn zwei bewusste Zentren oder gegensätzliche Pole sich auf einer höheren Ebene verbinden, werden sie nicht gleichgeschaltet oder ausgelöscht. Im Gegenteil: Ihre jeweilige Einzigartigkeit und Essenz wird schärfer profiliert, beziehungsfähiger und zutiefst persönlich. Das Ziel der Evolution ist kein anonymes Vakuum, sondern das Hyper-Persönliche.

Diese visionäre Kosmologie wird heute durch die zeitgenössische Theologin und Neurobiologin Ilia Delio exzellent bestätigt: Sie verbindet Teilhards Ansätze mit der modernen Quantenbiologie und der Neuroplastizität. Delio betont, dass das Nervensystem ein plastisches Organ aktiver Evolution ist und relationale Felder durch Verschränkung quantenhaft mitschwingen. Das «Lo3-Lab» ist das methodische Werkzeug, um genau diesen evolutionären Schritt in die differenzierte, quantenbiologisch wirksame Verbindung im Alltag leibhaftig vollziehbar zu machen.

4. Der persönliche und fachliche Hintergrund

Ich bin auf diese evolutionäre Kraft durch die jahrzehntelange Verwebung von Wissenschaft, Berufs- und spiritueller Praxis gestossen. Als Eidg. anerkannte Psychotherapeutin (Ambulante Psychotherapie PUK Zürich, Ausbildung/Qualitätssicherung Tel 143/Die Dargebotene Hand Zürich) kenne ich die neurobiologischen und psychologischen Mechanismen von Abwehr, Trauma und Stress.

Gleichzeitig haben mich mein eigener Lebensweg, jahrzehntelange Eigenpraxis sowie die intensive Auseinandersetzung mit Befreiungs- und Weisheitswegen – insbesondere der christlichen Mystik und die kontemplative Begleitung – gelehrt, als reines Gefäss (Kenosis) für das Wirken einer grösseren Ordnung da zu sein. Aus dieser Synthese von klinischer Präzision und tiefer somatischer Hingabe ist das Konzept des «Lo3-Labs» gereift. Als ich vom „Gesetz der Drei“ von Cynthia Bourgeault erfuhr und am eigenen Leib die Wirkung davon erlebte, kam das letzte essenzielle Puzzleteil für mich zusammen. Mit 66 Jahren bin ich in der privilegierten Lage, kein Einkommen mehr generieren zu müssen. Ich fühle Freude, Freiheit und Verantwortung, diese Erkenntnisse jetzt unentgeltlich mit interessierten, praxisnahen Forschenden zu teilen und weiter zu entwickeln.

5. Die Beobachtung: Perspektiven-Kompetenz als körperliche Erfahrung

Das Einnehmen unterschiedlicher Perspektiven ist keine rein intellektuelle Aufgabe. Wenn Widersprüche aufeinanderprallen, reagiert unser Organismus unmittelbar:

         • Die physiologische Realität: Ein tiefer Widerspruch erzeugt im Körper augenblicklich eine spürbare, energetische Spannung. Das Zentrale Nervensystem (ZNS) signalisiert Bedrohung (Sympathikus-Aktivierung). Wir spüren eine physische Enge im Brustkorb, Druck im Kiefer oder einen flachen Atem.

         • Der Flucht-Impuls: Um diesen Druck im Dialog rasch zu mindern, flüchten wir unbewusst in die verbale Verteidigung, den Gegenangriff oder in einen vorschnellen, rationalen Kompromiss. Damit wird die inhärente Reibungsenergie des Moments vorzeitig entladen – die Evolution stockt.

Echte Perspektiven-Kompetenz (IDG 2.3) zeigt sich dort, wo es uns gelingt, diesen Stress im Körper bewusst wahrzunehmen (Kraft 1), das Dagegensein zu bejahen (Kraft 2) und die bio-energetische Ladung für eine Weile auszuhalten (Kraft 3), ohne sofort in den kognitiven Lösungsreflex zu verfallen. Erst in diesem Zustand des somatischen Raum-Haltens (Innehalten, «Sinken» und verkörpertes Bejahen beider Pole) schaltet das Gehirn von der biologischen Enge in eine kreative Weite um. Die 4. Kraft emergierte.

6. Das dreifache Anwendungsspektrum des «Lo3-Lab»

Das Labor arbeitet mit einer klaren Struktur, die sich auf drei Dimensionen anwenden lässt:

         1 Die intrapersonelle Dimension (Innere Konflikte): Das Halten von Widersprüchen, Ambivalenzen und blockierenden Glaubenssätzen in sich selbst. Durch das somatische Weitwerden im eigenen Nervensystem kollabiert die innere Spaltung.

         2 Die asymmetrische Dimension (Beziehungskonflikte im Alleingang transformieren): Die Arbeit im relationalen Raum, selbst wenn der Gegenpol (z. B. Partner oder Kollegin) nicht anwesend, nicht motiviert oder blockiert ist. Es braucht nicht zwingend beide Parteien, um ein Beziehungsfeld zu verändern. Indem eine Person beide Standpunkte im eigenen Körper zu 100 % als existent anerkennt und das System über das eigene, weite Nervensystem co-reguliert, fällt der interpersonelle Druck weg. Das Gesamtsystem ordnet sich neu, weil wir über dieses weite relationale Quantenfeld tief miteinander verschränkt sind.

         3 Die dialektische Dimension (Konfliktlösung zwischen Parteien): Das gemeinsame Sinken anwesender Konfliktparteien von der verbalen Argumentationsebene in das geteilte, weite Nervensystem (die WIR-Ebene), um kollektive Blockaden aufzulösen und neue, intuitive Sichtweisen auftauchen zu lassen.

7. Die Phänomenologie der 4. Kraft: Der somatische Marker des Gelingens

Wenn das duale System („Ich oder Du“, „Richtig oder Falsch“) durch die Regulierung des Nervensystems kollabiert, entsteht eine tiefe, hochgeladene, aber absolut friedliche Stille. Das Ego tritt zurück. In diesem Vakuum taucht die 4. Kraft auf.

Dass diese übergeordnete Kraft gewirkt hat, erkennen wir verlässlich über das, was die moderne Neurobiologie (u. a. im Zürcher Ressourcen Modell / ZRM) als somatischen Marker bezeichnet. Es ist ein unwillkürliches, untrügliches Körperfeedback:

         • Die Natur der Lösung: Die auftauchenden Geistesblitze sind meist völlig unspektakuläre, leise Lösungen. Es sind keine lauten, dramatischen oder intellektuell erzwungenen Durchbrüche.

         • Das körperliche Feedback: Der positive somatische Marker manifestiert sich als ein plötzliches, tiefes, physisches Aufatmen, ein warmes Weitwerden im Brustraum oder ein spürbares Nachlassen von muskulärer Anspannung (Kiefer, Schultern, Bauch, etc).

         • Die inhärente Kraft: Obwohl die Lösungen unspektakulär wirken, haben sie eine unbändige Tragfähigkeit. Sie fühlen sich augenblicklich stimmig, wahrhaftig und harmonisch für das gesamte System an. Der Körper weiss sofort, dass die Lösung nicht im Kopf erarbeitet, sondern im geschützten Raum des beruhigten Nervensystems empfangen wurde.

8. Anschauungsmaterial: Dynamik im «Lo3-Lab»

(Exemplarisches Beispiel zur phänomenologischen Erfahrung im Labor)

         • Der Ausgangspunkt (Verlassen der kognitiven Ebene):
Wir betrachten zwei Menschen in einem tiefen, scheinbar unlösbaren Konflikt: eine engagierte Klimaschützerin und einen traditionellen Industriellen. In klassischen Formaten würden sie Argumente austauschen und versuchen, sich in der Mitte zu treffen (Kompromiss) oder die Gegensätze intellektuell zu verschmelzen (Synthese). All dies geschieht im Kopf, während dessen das Zentrale Nervensystem im Alarmmodus (Enge, Verteidigung) bleibt. Im «Lo3-Lab» verlassen wir diese Ebene bewusst.

         • Die Dynamik der drei Kräfte (Halten der Spannung):
Die Beteiligten werden angeleitet, die Aufmerksamkeit komplett von den Argumenten abzuziehen und in den eigenen Körper zu lenken. Wir übersetzen die Situation in ihre energetischen Kernkräfte:

                  Kraft 1 (Der Impuls): Die absolute Realität und Notwendigkeit des Klimaschutzes. Sie steht unverrückbar im Raum.

                  Kraft 2 (Der Widerstand): Die absolute Realität und Notwendigkeit der industriellen Existenzsicherung. Sie steht genauso unverrückbar da.

                  Kraft 3 (Das versöhnende Element): Das bewusste Atmen in die physische Enge und die Hitze des Widerspruchs hinein. Die Beteiligten versuchen nicht mehr, den anderen kognitiv zu widerlegen, sondern sie lassen die Realität des anderen als gleichwertige Kraft neben der eigenen im Raum existieren. Das Nervensystem co-reguliert und entspannt sich inmitten des Konflikts. Der Körper wird weit, die Worte verstummen, das Ego tritt zurück, und die Gruppe sinkt gemeinsam in eine tiefe, hochaktive, kontemplative WIR-Stille.

         • Das Auftauchen der 4. Kraft (Der Somatische Marker des Gelingens):
In diesem weiten, spannungsgeladenen, aber absolut friedlichen Vakuum verschiebt sich das kollektive Bewusstsein. Plötzlich – wie aus dem Nichts – taucht die 4. Kraft auf. Ein neuer Raum öffnet sich. Das unbestreitbare Zeichen für ihr Erscheinen ist der positive somatische Marker, der zeitgleich durch die Körper schiesst:

Es zeigt sich eine Sichtweise, die vorher für keine der beiden Parteien auf der logischen/mentalen Ebene existiert. Die Lösung manifestiert sich als ein plötzliches, kollektives, physisches Aufatmen im Raum, ein warmes Weitwerden im Herzbereich und ein unmittelbares Nachlassen der Muskelanspannung im Kiefer. Beide Parteien wissen im selben Moment zutiefst in ihren Körpern, dass dieser Lösungsschritt wahrhaftig, stimmig und tragfähig ist. Er wurde nicht verhandelt, sondern im geschützten, weiten Raum des gemeinsamen Nervensystems empfangen. Jetzt erst, kann ein konstruktiver Dialog wirklich beginnen und/oder es tauchen spontan neue für beide Parteien „stimmige“ Ideen für den nächsten Schritt auf.

Das «Lo3-Lab» hat nichts Magisches. Es ist eine einfache praktische Anleitung, um uns präsent, wach und offen für die intelligenten Gesetzmässigkeiten der Evolution zu machen.

Ein befreiender Nebeneffekt, den ich durch die Entwicklung dieses Ansatzes an mir selbst erfahre, ist die Fähigkeit, andere Standpunkte ohne Wenn und Aber im Raum stehen zu lassen, sobald ich spüre, dass ich eng werde. Allein das tiefe Begreifen dieser trinitarischen Dynamik verändert meine innere Haltung radikal: 

Das Zulassen des Gegenpols wird so von einem anstrengenden ethisch-moralischen Vorsatz zum sinnvollen nächsten evolutionären Schritt/Gesetz, damit das Rad der Evolution ungehindert weiterrollen kann.

Weg vom anstrengenden Optimieren in die entspannte Verkörperung. Eine moderne Variante uralter Weisheiten.

Herzlichen Dank für deine Aufmerksamkeit. Ich bin gespannt auf deine Resonanz und dein Feedback.

Falls du mein Tool noch detaillierter kennenlernen möchtest, melde dich bei mir.

Madeleine Vonlanthen, Eidg. anerkannte Psychotherapeutin i.R. und „Kontemplative Forscherin“

13. August 2026